Wilkommen

Geschichte der Landpolizeistation Hohenpolding

 

Errichtung des Landpolizeipostens Hohenpolding am 01.01.1946

Am 2. Januar 1946 wurden Polizeiwachtmeister Johann Sterr als Postenchef und Polizeiwachtmeister Johann Blumoser mit einem Pferdeschlitten von Taufkirchen nach Hohenpolding gebracht. Außer einer Schreibmaschine und einem Fahrrad hatten sie nichts dabei. Im Haus Nr. 7 (heute Schulstraße 3, ehemalige Post), wo die Besitzerin, Frl. Therese Graf eine Poststelle leitete,  fanden sie im 1. Stock zwei leere Zimmer vor, die als Dienstzimmer und Unterkunft dienen sollten.

 

Mit Hilfe von Bürgermeister Johann Baumgartner wurden noch am selben Tage zwei Tische, drei Stühle, zwei Schränke, ein ehemaliger Wehrmachtsbunkerofen, eine Waschschüssel und drei Betten beschafft, weil am anderen Tage der Wachtmeister Sebastian Rettenbeck zu erwarten war. Am Abend merkten die Polizisten, dass sie das Brennholz vergessen hatten und so marschierten sie im Zimmer auf und ab, um sich wenigstens ein bisschen warm zu halten. Dies hörte die Vermieterin Therese Graf und brachte ihnen einen Korb voll dürres Holz zum Einheizen. Bald knisterte es im Ofen und es wurde gemütlich.

 

Am nächsten Tag ging es gleich an die Arbeit. Die notwendigen Utensilien wie Schreibpapier, Kugelschreiber, Bleistifte etc. wurden bei den zuständigen Gemeinden geholt. Hinweisschilder mit dem Aufdruck "Polizei" wurden in Auftrag gegeben und auch gleich geliefert. Schreinermeister Josef Fraunberger von Dickarting, Gemeinde Sulding, fertigte nach den angegebenen Maßen einen Aktenschrank, zwei Schreibtische und drei Stühle ohne Bezugschein an, da die zugeteilten Möbel nicht brauchbar gewesen waren. Am zweiten Tag kam dann auch Wachtmeister Sebastian Rettenbeck. In der Gastwirtschaft von Alois und Magdalena Winkler wurde zu Mittag und zu Abend gegessen. Frühstück brauchten sie keines.

 

In den ersten Tagen wurden Dienstgangsverzeichnisse angelegt, Termine erstellt und auf der Karte die Ortschaften studiert. Bei den ersten Dienstgängen wurden die Polizisten verstohlen aus den Fenstern beobachtet. Es war schwer, das Vertrauen der Landbevölkerung zu gewinnen, aber als der erste Einbruch in Bälde geklärt werden konnte, kam Vertrauen auf. Die Eigentumsdelikte stiegen in den Jahren 1946 bis 1954 laufend an, und man merkte bald, dass die Polizei nicht fehl am Platze war, sondern ihr Bestes gab.

 

Das Jahr 1954 brachte dann den großen Erfolg. Neben anderen Tätern konnten fünf Gewohnheitsverbrecher ermittelt und dem Strafrichter überstellt werden. Bei zwei Tätern handelte es sich sogar um einheimische Bauernsöhne, von denen es der eine auf Kraftfahrzeuge und der andere auf landwirtschaftliche Geräte und Maschinen abgesehen hatte, des weiteren um einen Hoteldiener, der früher einmal im hiesigen Bereich wohnhaft war (Diebstahl von Geld und Schmucksachen), einem früher hier wohnhaft gewesenen Polen (Diebstahl von Geld und Nahrungsmitteln) und einem Flüchtling (Geflügeldiebstahl). Insgesamt konnten durch die Festnahme dieser fünf Täter im hiesigen Bereich über 50 Delikte einfacher und schwerer Art aufgeklärt werden. Fast die doppelte Zahl konnte diesen Tätern noch im Bereich der Landpolizei Oberbayern nachgewiesen werden.   Nachdem diese Täter ihrer Strafe zugeführt waren, trat eine spürbare Beruhigung der Kriminalität ein.

 

Im Bereich der Landpolizeistation Hohenpolding gelangten jährlich 100 Verbrechen und Vergehen und 65 Übertretungen zur Anzeige. Außerdem wurden noch 70 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen. Den durchschnittlich 100 jährlich geklärten Fällen, stehen fünf ungeklärte Delikte gegenüber. Durch die Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs  mussten außerdem jährlich 20 bis 25 Verkehrsunfälle bearbeitet werden. Im Jahre 1957 ereigneten sich im Zuständigkeitsbereich drei tödliche Verkehrsunfälle. Die Stationsbeamten mussten auch Selbstmorde, Betriebsunfälle und Brände bearbeiten. Außer diesen Arbeiten hatten sie jährlich ca. 500 Erhebungsschreiben für andere Dienststellen, Gerichte, Landratsämter, Stadtpolizeien, Staatsanwaltschaften, Finanzämter etc. zu erledigen. Neben der Vollzugsdiensttätigkeit  musste auch noch Bereitschafts- und Telefondienst geleistet werden. 

 

Die LP.-Station Hohenpolding war ab 01.01.1946  mit drei Beamten besetzt. Am 01.04.1949 kam ein vierter und am 01.09.1949 ein fünfter Beamter hinzu. Dies erschien den Bürgermeistern der Gemeinden Hohenpolding und Sulding zuviel und sie schrieben am 16.09.1949 folgenden Brief an das Landratsamt Erding:

 

"Betreff: Erhöhung des Landpolizeiposten Hohenpolding auf einen fünfmännigen Posten.

In den letzten Wochen wurde der LP - Posten Hohenpolding von einen viermännigen auf einen fünfmännigen Posten erhöht und zugleich eine fünfte Polizeikraft nach Hohenpolding versetzt. Von der Bevölkerung wird dieser Umstand viel kritisiert, weil früher in Hohenpolding überhaupt keine Polizeistation eingerichtet war und in den Jahren 1946 bis 1949 der Dienst von 3 Beamten versehen wurde, die gerade in diesen Jahren, wo für die Einödhöfe besonderer Schutz notwendig war, die Sicherheit dieser Gegend so aufrechterhalten konnten, daß es zu keinen größeren Plünderungen, wie es in anderen Gegenden der Fall war, gekommen ist. Eine besondere Härte ist das Beschaffen der Wohnungen nachdem es sich um 5 verheiratete Beamte handelt, die in Hohenpolding angestellt sind. Es bedeutet gerade für die hier ansässigen Flüchtlinge eine Härte, daß die sowieso schon wenigen Wohnungen in Hohenpolding gänzlich von den Beamten der Landpolizei in Anspruch genommen werden. Die Gemeindeveraltungen Sulding und Hohenpolding ersuchen daher den Herrn Landrat zu veranlassen, daß die Belegung des LP - Postens Hohenpolding so durchgeführt wird, wie es die Sicherheitsgründe der beteiligten Gemeinden erfordert. Die jetztige Überbelegung des Landpolizeiposten ruft bei der Bevölkerung nur Unwillen hervor und wird als unangebrachter Beamtenaufbau empfunden."

 

Scheinbar hatte der Brief Erfolg, denn am 15.02.1950 wurde die Stärke wieder auf vier Mann verringert. Am 10.03.1950 wurde ein Beamter aus gesundheitlichen Gründen entlassen, so dass der Posten wieder aus drei Mann bestand. Die weitere Besetzung war:

01.10.1950   4 Beamte
01.04.1952   3 Beamte
18.09.1957   2 Beamte

 

Im Jahre 1956 wurde im Parterre des Hauses ein neues Dienstzimmer errichtet. Der Stationsleiter Johann Sterr schreibt dazu: "In diesem Zimmer war es eine Freude zu arbeiten, denn es war das schönste Dienstzimmer des Landkreises." Durch neue Zimmerböden, Türstöcke, Türen und Doppelfenster wurde auch die Wohnung des Stationsleiters wesentlich verbessert und verschönert. Neben der Beruhigung der Kriminalität trat auch eine große Abwanderung der Flüchtlinge, Ausländer und Evakuierten zu den Industrieorten ein.  Die Zahl der Personen, die zum Stationsbereich zählten, sank von 3596  im Jahre 1946 auf 2678 im Jahre 1960. Am 31.03.1960 wurde die Landpolizeistation Hohenpolding aufgelöst und der Großstation Dorfen zugewiesen. Während die Landbevölkerung 1946 gegen die Errichtung eines Landpolizeipostens eingestellt war, schimpfte man jetzt über dessen Auflösung. Man war sogar so weit, dass man sich den Ort Hohenpolding ohne Polizei nicht mehr vorstellen konnte.

 

 

Zur Polizeistation Hohenpolding gehörten 1946 folgende Gemeinden:

Hohenpolding:   10,71 qkm, 720 Einwohner, davon 148 Flüchtlinge, 15 Evakuierte und 6 Ausländer
Hofstarring:   2,49 qkm, 219 Einwohner, davon 51 Flüchtlinge, 0 Evakuierte und 0 Ausländer
Steinkirchen:   15,59 qkm, 1120 Einwohner, davon 250 Flüchtlinge, 30 Evakuierte und 2 Ausländer
Sulding:   16,72 qkm, 952 Einwohner, davon 182 Flüchtlinge, 0 Evakuierte und 6 Ausländer
Wambach:   10,82 qkm, 585 Einwohner, davon 170 Flüchtlinge, 24 Evakuierte und 3 Ausländer

 

somit eine Gesamtfläche von 56,33 qkm, eine Einwohnerzahl von 3596 Personen, 41 Ortschaften, 15 Weiler und 53 Einöden.

Der Stationsbereich war in 8 Begehungsräume eingeteilt:

1. Hofstarring, Eldering

2. Steinkirchen, Hienraching, Riemading

3. Niederstraubing, Amelgering

4. Reitgarten, Diemating, Dickarting

5. Karbaum, Sulding, Waltersberg, Buchöd

6. Sinzing, Oberwambach

7. Wambach, Geislbach

8. Klesham, Kleinschaffhausen

 

Als besonders zu überwachende Objekte galten das Lagerhaus Brenninger in Hohenpolding, Lagerhaus des Spar- und Darlehenskassenvereins Steinkirchen und die Mühlen Reinting, Bach, Krottenthal, Mühlhof und Kögning.

 

 

Übersicht über die Beamten der Landpolizeistation Hohenpolding:

1. Polizeiobermeister Johann Sterr
    01.01.1946 - 31.03.1960 Leiter der Polizeistation, dann versetzt zur LP Dorfen

2. Polizeiwachtmeister Johann Blumoser
    01.01.1946 -

3. Polizeihauptwachtmeister Sebastian Rettenbeck
    01.01.1946 - 15.02.1950, dann versetzt zur LP Olching

4. Polizeihauptwachtmeister Josef Schötz
    10.03.1946 - 26.03.1954, dann versetzt zur LP Dorfen

5. Polizeihauptwachtmeister Xaver Riepold
    05.04.1949 - 18.09.1957, dann versetzt zur LP Finsing

6. Polizeiobermeister Josef Kolbeck
    01.09.1949 - 10.03.1950, aus gesundh. Gründen ausgeschieden

7. Polizeihauptwachtmeister Anton Zirkelbach
    01.10.1950 - 01.04.1952, dann versetzt zur LP Erding

8. Polizeihauptwachtmeister Oskar Kindler
    01.04.1954 - 01.05.1956, dann versetzt zur LP Erding

9. Polizeihauptwachtmeister Johann Schmid
    01.06.1956 - 31.03.1960, dann versetzt zur LP Dorfen

Verfasst von Josef Hofstetter
nach Aufzeichnungen von Johann Sterr