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Geschichte

 

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Geschichte der Gemeinde Hohenpolding

(verfasst von Josef Hofstetter)gemaltes Ortsbild von Hohenpolding

Der Ortsname Hohenpolding hat sich vermutlich aus dem Personennamen Baldo oder Paldo entwickelt, eines Bajuwaren, der sich mit seiner Sippe unweit des Rechlfinger Bachs niederließ.
Im Jahr 998 taucht der Name in der lateinischen Form "alto baldingae" in einer Urkunde auf, in der der Bischof von Salzburg zugunsten des Adeligen Valherius de Baleding auf einen Grundzehent verzichtet. Dieser Walther von Balding hatte in seiner Jugend am großen Ungarnfeldzug Kaiser Ottos und an der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 teilgenommen. Er hatte den Rang "magister tubae militum", er war Hauptmann der Feldtrompeter, die sämtliche Kommandosignale übermitteln mussten.

1154 wird unter Bischof Otto I. von Freising "palding ecclesia" im Zusammenhang mit dem Kloster Frauenchiemsee genannt. Der Äbtissin Walpurg von Frauenchiemsee wurden zwei Theile der Kircheneinkünfte von "palding ecclesia" (lat. ecclesia = Kirche) bestätigt. Die Konradinische Matrikel führt unter der Pfarrei Steinkirchen um 1315 auch die Filialkirche "Balding" auf.  Im Jahre 1585 schreibt der Pfarrherr von Steinkirchen über diese Filiale: "Zue Hohenpolling ist ain filial, in welchem gotteshaus S. Martinus vünd Beata Maria Virgo Patroni seindt". 1407 verkaufte Ulrich der Pucher "seiner großen Notturft halb" den Zehent zu Hohenpolding an die Äbtissin von Frauenchiemsee, was für das Kloster von Bedeutung gewesen sein dürfte. (BayHStA KU Frauenchiemsee 260)

Das Geschlecht der "Baldinger", das seinen Ursprung in Hohenpolding zu haben scheint (nach E.W. Eggerer), hat sich in den Reichsstädten Ulm und Nürnberg einen bedeutenden Namen gemacht. In der Reformationszeit trat der größte Teil der Familie dem neuen Glauben bei und musste gemäß dem Augsburger Religionsfrieden ("Cuius regio, eius religio"), der besagte, dass der jeweilige Landesfürst die Konfession seiner Untertanen bestimmen konnte, Bayern verlassen. Religionsfreiheit gab es nur in diesen Reichsstädten.
Die Baldinger wurden wegen ihres adeligen Standes direkt in das Patriziat der Stadt aufgenommen und sie übernahmen bald wichtige Ämter in der Ulmer Stadtverwaltung. Dutzende Stadträte sind bekannt und über mehrere Jahrhunderte hinweg stellte die Familie immer wieder den Bürgermeister der Stadt. Einer der ersten war Albrecht von Baldinger, der noch in Hohenpolding geboren war. Offiziell musste er mit "Ihro Hochadelige Herrlichkeit" angesprochen werden. Die gleiche Anrede führte auch Daniel von Baldinger, der 1705 im Alter von 71 Jahren als Bürgermeister der Stadt Ulm verstarb. Um das Jahr 1730 sammelte der Ulmer Ratsherr Johann Baldinger sämtliche Unterlagen zur Familiengeschichte und ließ einen monumentalen Stammbaum in Öl malen, der auch folgendes Gedicht enthält, das die Verbindung zu Hohenpolding belegt:

 

Der Baldinger Geschlecht und Stam
Im Bayerland sein Anfang nam,
Von Herzogen in Bayern seyn
Sie geehrt worden und Ingemein
Für Adels=Genossen gehalten,
Ansehnlich Aempter von sie verwalten,
Woher der Land=Richter Stand
Zue Dachaw in dem Bayer Land.
Und durch der Herzogen Verwesen
Seynd sie zu Hohen=Balding gesessen
Für sich lang, von Steinkirch nicht ferr
Bekhamen auch der Sitz noch mehr.
Dass bezeigen die Monument
So aus Briefs=Urkund wirt erkennt.
Deren Geschlecht= und Heuraths=Namen.
Auch all Ir Wappen zue dem Stammen.
Hab ich Johann Baldinger tragen
Mit Fleiß in etlich Jar und Tagen,
zue sehen wie Gott von den Alten
Solchen Stam hat auff uns erhalten.
Gott woll den Nachkommen auch geben
Daß sie nach Ehr und Tugend streben.
Und der Stam in Gottes=Forcht sich mehr
Gott dem Herrn zue Lob, Preis und Ehr.

 

Die Nürnberger Linie der Baldinger konnte ebenfalls Patriziatsrang erreichen, starb aber bald aus. Die Familie des heutigen Reichsgrafen Arnotus Gero von Baldinger zog im 18. Jahrhundert von Ulm nach Nürnberg. 

Der Ortsname Hohenpolding taucht erstmals 1488 auf, vorher wechselte er zwischen Palding, Polling und Polding. Von bajuwarischen Siedlern zeugen noch weitere echte ing-Orte im Gemeindebereich. Im Scharwerksbuch von 1571 lesen wir:

"Obmannschaft Hohenpolding. Anndre Poldinger paut ainen Hof gehört in Frauenchiemsee, (25 dl.) Voglstet, Harting, Reinting, Clesham, Teuflsöd. Die von Preising zum Hubenstain haben zu großen Stockhat ain Söldn, zu Clainstockha ain Hub vnd zu Harting ain Sölden (75 dl.)."

Die Obmannschaft Hohenpolding gehörte nach der statistischen Beschreibung von 1553 zum Amt Lindgraß und umfasste folgende Orte:
Hohenpolding, Voglstädt, Harting, Reinting, Klesham, Teufelsöd, Stockach, Erdmannsdorf, Schachten, Reit, Rechlfing, Wimm. In Amelgering sitzt 1138 - 1147 der Freisinger Ministeriale "Lieder de Amelgeringen". Der Ortsname leitet sich von dem germanischen Personennamen "Amelgar" ab. In Moosburger Urkunden finden wir 1150 aus der Familie einen "Hunger de Amelgeringen". Die Kirche St. Johann und Paul wurde im 18. Jahrhundert gebaut. Sie ist wegen ihrer großartigen Plastiken aus der Hand Christian Jorhans d. Ä. aus Landshut bekannt. Auch Klesham war Sitz einer ortsadeligen Familie. Im Ebersberger Cartular ist um 1030-1040 "Otperth de Chlefsheim" als Zeuge festgehalten. Nach 1199 heißt es in einer Freisinger Aufzeichnung "predium in Chlefsheim" (Bitt. Nr. 1574).

 

Auch aus Loiting sind ebenfalls aus Freisinger Niederschriften aus der Zeit um 1261 einige Namen bekannt: "De Livvettingen Ellis, Heinrich Diemut." Die Schäftlarner Traditionen überliefern uns etwa 1184-1186 als Zeugen "Hainrih de Lutingen". Um 1006-1039 tauscht Bischof Egilbert von seinem Kleriker Aribo ein Gut zu Thaing gegen Besitz zu Oberhof (Gde. Walpertskirchen) und sieben Barschalken zu Schachten (Bitt. Nr. 1385) "in loco Schacha". Ramperting führt seinen Ortsnamen, der z.B. in den Freisinger Traditionen genannt ist, auf einen "Hramperth" zurück.

 

Der Name Sulding kommt wohl vom Bajuwaren "Sullo", der mit seinen Leuten am Suldinger Bach gesiedelt hat. 1060 schenkt der Priester Konrad ein kleines Anwesen in "Sullingen vicus" dem Kloster Ebersberg. 1184/1186 tritt Konrad von Beigarten an seine Verwandten Friedrich und Adelbero von Sullingen eine Hube ab (Trad. Schäftl. Nr. 255).
Die Kirche mit dem Kreuzauffindungs-Patrozinium liegt auf einem kleinen Hügel unweit des Suldinger Baches. Sie ist im Kern gotisch, gegen 1500 erbaut. Langhaus, Turmkuppel und Stukkaturen stammen aus dem Jahr 1703.
Der Fund eines Steinhammers im Jahre 1958 in Buchöd läßt darauf schließen, dass sich schon in der Jungsteinzeit Menschen in diesem Gebiet aufhielten. 1571 gehörten die Obmannschaften Sulding und Dickarting zum Amt Lindgraß. Die Obmannschaft Sulding umfasste Clainaign, Sulding, Holzen, Clainsperg, Oed, Gurnhueb, im Puecha, Puechershub, Grueb, Pürg, Steckhnpühl und die Obmannschaft Dickarting bestand aus den Weilern Helding, Amblgering, Stockha, Päperting. Dickarting leitet seinen Namen von einer Dietgart ab.

 

Früh erscheint auch Diemating: 994-1005 tauscht Bischof Gottschalk von einer Luitsind Besitz zu Straubing und Rottmann gegen solchen in "loco Diomuotinga" = Diemating (Bitt. Nr. 1320). Die Siedlung nannte sich also "bei den Leuten der Diomuot". Es ist nicht sicher erwiesen, ob der 1184/1186 in den Schäftlarner Traditionen aufgeführte Heinrich de Houesteten, ebenso wie Fridericus de Hofstetten (Trad. Schäftl. Nr. 255 und 302) auf Hofstätt zu beziehen sind. Krumbach tritt bereits 845 als "Crumpinpach" in Erscheinung (Bitt. Nr. 1709). Von der Hofmark Penning , dem der Name "Benno" zugrunde liegt, schreibt Wenning 1720:

 

"Herr Adam deß Heilgen Röm. Reichs Freyherr von Puech hat selbige jnnen. Liegt im Gericht Erding zwey Meil von Landshuet gegen Tauffkirchen zue. Zuvor haben selbe ingehabt die von Aichberg, die Herren Grafen von Orttenburg, von welchen es 1597 Herr Johann Fugger Freyherr, Vicedomb zu Burgkhausen erkaufft, Anno 1673 aber mehrgedachter Herr Adam Freyherr von Puech, von Herren Grafen Frantz, Benno, Vito, Adamo, Mauritio Eustachio Fugger, Gebrüder, mit der Hofmarch Tauffkirchen und Alten-Erding käufflich eingethan."

 

Um 1498 wird erstmals ein Lorenz Angerer zu Penning genannt, der aus seinem dortigen Hof eine jährliche Gült verkaufte. 1514 findet sich ein Hans Angerer zu Penning. Im Pfegerbericht von 1553 ist zu lesen, dass der Sitz Penning das ganze Dorf mit vier Höfen, einem Lehen und drei Sölden umfasst und dem Grafen von Mattighofen (Ortenburg) gehört. Um 1560 besaß Joachim Graf von Ortenburg das Dorf Penning als freies Eigen, das ausdrücklich Hofmark genannt wird. Die eigenmächtige Einführung der Reformation in seinem reichsunmittelbaren Territorium nahe Passau sowie die Auffindung seines Briefwechsels brachten den Ortenburger 1564 ins Gefängnis. Den Vorwurf des Hochverrats musste man fallen lassen, Ende 1564 wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, jedoch blieb die vom Herzog eingezogene Hofmarksgerechtigkeit weiterhin verloren. Seine Güter zu Penning galten nur mehr als einschichtig:

 

"Herr Joachim Graf zu Ortenburg: Zu Penning das Dorf. Vier Höf, ain güetl vnnd drei Sölden daselbst, ist freies lediges aigen, wirdt aber dißer Zeit in Chrafft Fürstl, beuelchs mit allen dingen wegen Herrn Grauens verwürchung Inns Lanndtgericht gebraucht".

 

1597

1627

 

 

1652

1674

1680

1723

1727

1752

 

erwarb Joachim Fugger zu Taufkirchen diese einschichtigen Güter zu Penning.

besaßen die Erben Konstantin Fuggers die Güter, 1630 war Franz Benno Fugger Graf von Kirchberg und Weißenhorn

in deren Besitz. Ihm stand laut Quartalsbericht des Pflegers aus dem Jahr 1640 auf allen seinen Gütern die

hofmärkische Jurisdiktion zu. Penning wurde erneut Hofmark, die an folgende Besitzer kam:

Erben Franz Benno Fuggers

Ferdinand Freiherr von Puch

Adam Freiherr von Puch

dessen Witwe

die Witwe des Freiherrn von Freyberg

Peter Freiherr von Rosenbusch

 

Sinzing hat seinen Namen vom Bajuwaren "Sinzo", dessen Name im 10. Jahrhundert vermehrt aufgetreten ist. Starzell, eine Gründung der Starringer, war ebenfalls Hofmark. 1289 erscheint zwar ein Albrecht de Starczestelle, "frater et magister in Landshut", doch erst im 15. Jahrhundert ist von einem Sitz die Rede. 1483 sind die Fraunhofener Hofmarksherren, die den Besitz 1485 an die Familie Schrötl veräußerten. Als Besitzer werden 1485 Jörg und Wolfgang Schrötl, 1524 Stefan Schrötl und 1560 Gregor Schrötl geführt. 1583 wird der Besitz wieder veräußert. 1597 wird unter den Hofmarksbeschreibungen auch Starzell erwähnt, das "der Frauen Armannspergerin zugehörig. Hat khain Sütz, ein Tafern" Auf Katharina Armannsperger folgte 1615 ihr Sohn Stefan, auf diesen 1620 Georg Hirschpögl und noch im gleichen Jahr an die Familie Lampfritzhaimer. Nach dem Tod von Susanna Lampfritzhaimer fiel die Hofmark 1632 an ihren Sohn Hans Georg, der zudem den Sitz Pirka innehatte. Er vererbte den Besitz an seinen Sohn Georg Wilhelm, der ihn 1683 an Adam Ferdinand Lampfritzhaimer weitergab. 1716 erwarb Adam Freiherr von Puch die Hofmark, die nach dessen Tod seine Witwe 1723 in die Ehe mit Franz Freiherrn von Freyberg einbrachte. Im Jahr 1752 finden wir Franz Peter Freiherrn von Rosenbusch als Inhaber. 1853 kauft Anton Forster vom Freiherrn von Stieber aus Linz die Gastwirtschaft und den Hof.

 

Verfasst nach folgenden Quellen:

  • "Gemeinde Hohenpolding" von Hermann Oberwallner im Landkreisbuch Erding 1985
  • Historischer Altas von Bayern, Das Landgericht Erding, von Susanne Margarethe Herleth-Krentz und Gottfried Mayr, München 1997
  • "Krieger und Räuber, Priester und Räte" von Elmar W. Eggerer, Süddeutsche Zeitung, ENN, Seite 2, Pfingsten 30./31.05./01.06.1998

 

 

 

 

 

Hoheitszeichen der Gemeinde

 

Wappen der Gemeinde Hohenpolding

Beschreibung des Wappens:

"Über silbernem Schildfuß, darin zwei grüne Seeblätter an gekreuzten Stielen, in Blau nebeneinander eine silberne heraldische Lilie mit einer goldenen Krone anstelle des Bundes und ein silbernes Kreuz, dessen senkrechter Balken von einer goldenen Krone überdeckt wird."

 

 

Die heutige Gemeinde Hohenpolding besteht aus den ehemaligen Gemeinden Sulding und Hohenpolding. Die wohl schon im 8. Jahrhundert gegründete Kirche von Hohenpolding trägt heute das Patrozinium "Mariä Heimsuchung". Darauf weisen im neuen Gemeindewappen Lilie und Krone als Mariensymbole hin. Das Kreuz (mit Krone) steht für die Kirche von Sulding (Patrozinium "Kreuzerhöhung St. Helena"). Die beiden Seeblätter im Schildfuß des Wappens erinnern an das Kloster Frauenchiemsee, das als Grundbesitzer für die Geschichte des Gemeindegebiets von Bedeutung war. Die grüne Tingierung soll die vorwiegend landwirtschaftliche Struktur der Gemeinde symbolisieren.